11.02.2021 - Die Notrufnummer 112 hat sich zu einem internationalen Standard etabliert

 

(JC) Im Jahr 1973 wurden in Deutschland die Notrufnummern 110 (Polizei) und 112 (Feuerwehr und Rettungsdienst) bundesweit eingeführt, nachdem es zuvor noch regional unterschiedliche Rufnummern gab. Als "Notrufsystem 73" benannt, wurden einige Besonderheiten festgelegt, die heute noch für die Notrufverbindungen 110 und 112 Gültigkeit haben: gebührenfreie Nutzung, bevorzugte Entstörung durch die Telekommunikationsunternehmen, Rückverfolgbarkeit des Anrufers bzw. Übermittlung einer Standortkennung bei öffentlichen Fernsprechern und weitere Sicherheitsmerkmale.

Im Jahr 1991 haben die damaligen EU-Mitgliedsstaaten beschlossen, die deutsche Notrufnummer 112 EU-weit einzuführen, wobei die seitherigen nationalen Notrufnummern bestehen bleiben. Damit hat sich die Rufnummer 112 als "Euronotruf" weit über die Grenzen Deutschlands hinaus etabliert und gilt heute in allen EU-Mitgliedsstaaten sowie in Andorra, Färöer-Inseln, Island, Liechtenstein, Monaco, Norwegen, San Marino, Schweiz, Türkei und der Vatikanstadt. Selbst in Großbritannien ist die 112 - trotz Brexit - nach wie vor nutzbar und das soll auch in Zukunft so bleiben. Über Europa hinaus hat der Euronotruf 112 auch in Bosnien und Herzegowina, Türkei, Russland, USA, Kanada, Australien, Neuseeland und einigen weiteren Staaten Einzug erhalten; auch hier parallel zu den etablierten nationalen Notrufnummern. Der deutsche Feuerwehr-Notruf 112 hat sich damit zu einem europäischen und teilweise sogar internationalen Standard etabliert.

Organisatorisch und technisch hat sich seit 1973 bzw. 1991 einiges rund um den Notruf getan. Die Privatisierung der Deutschen Bundespost sorgte für Wettbewerb bei der Telekommunikation; Notrufanschlüsse können prinzipiell von allen Telekommunikationsanbietern bereitgestellt werden, auch wenn die Deutsche Telekom AG nach wie vor Marktführer in diesem Bereich ist. Anfang der 1990er Jahre wurde die Telefonvermittlung digitalisiert und ISDN löste nach und nach die seitherigen analogen Notrufanschlüsse ab. Doch auch ISDN ist inzwischen Geschichte, da die Notrufanschlüsse derzeit auf IP migiert werden, was zusätzliche Leistungsmerkmale mit sich bringt (z.B. eine genauere Standortermittlung, sowohl bei Anrufern aus dem Festnetz als auch von Mobiltelefonen).

Die Notrufabfrage hat sich bei vielen Leitstellen zur 'Strukturierten' bzw. 'Standardisierten Notrufabfrage' gewandelt, bei der vorgebene Punkte nacheinander vom Disponenten erfragt werden, was eine höhere Abfragequalität mit sich bringt, da das Vorgehen immer gleich ist und keinem individuellen Gesprächsstil unterliegt. Die in der Erste-Hilfe-Ausbildung nach wie vor gelehrten "5 W"  (Wo ist es passiert? Was ist passiert? Wie viele Betroffene? Wer ruft an? Warten auf Rückfragen) sind damit nicht hinfällig, sondern der Anrufer sollte diese Punkte parat haben, da sie vom Disponenten abgefragt werden. Am wichtigsten ist das 5. W - Warten auf Rückfragen. Die Beendigung des Notrufgesprächs erfolgt seitens der Leitstelle, wenn alle benötigten Informationen vorliegen.

Unabhängig von allen technischen und organisatorischen Aspekten - der Tag des Notrufs am 11.2. soll auf die europaweit einheitliche Rufnummer 112 aufmerksam machen. Gerade für deutsche Touristen und Geschäftsreisende ist dies von Vorteil, da die "eigene Notrufnummer" auch im Ausland funktioniert und man sich im Ernstfall keine Gedanken über die jeweilige lokale Notrufnummer machen muss. Um für den Euronotruf und die Arbeit von Feuerwehr und Rettungsdienst zu werben, nutzen viele Berufsfeuerwehren den 11.2. für das Twittergewitter, das unter dem gleichnamigen Hashtag #twittergewitter bzw. #tagdesnotrufs und #112live vielfältige aktuelle Informationen bietet.

Der offizielle 30. Geburtstag des Euronotrufs 112 steht am 29. Juli 2021 an, wobei aber der 11.2. als Tag des Notrufs stärker im Fokus steht.

Euronotruf