22.09.2017 - Die Luftrettung mit Hubschrauber, die schwer verletzte Unfallopfer in Fachkliniken bringen, ist heute ein nicht mehr wegzudenkender Teil des Rettungsdienstes. 67 Rettungshubschrauber und 16 Intensivtransporthubschrauber sind bundesweit im Einsatz. Vor einem halben Jahrhundert sah das noch ganz anders aus. Die Wiege der Luftrettung stand damals in der Wetterau.

Vor ziemlich genau 50 Jahren startete der wohl erste Feldversuch zur Luftrettung. Begonnen hat alles mit dem damals in Ober-Mörlen praktizierenden Arzt Hans-Werner Feder, der von seiner Praxis immer wieder mit Verkehrsunfällen auf der nahen Autobahn konfrontiert wurde.

An manchen Wochenenden stand das Telefon des Mediziners nicht still, weil er immer wieder mit seinem Privat-Pkw zum Notfallort gerufen wurde, oft mit dem Ergebnis, im Stau zu stehen und nicht zur Unfallstelle voranzukommen. Eine deprimierende Perspektive für den damals 32-Jährigen, der vorrechnete, dass mindestens zwei- bis dreitausend Menschenleben gerettet werden könnten, wenn schneller Hilfe vor Ort wäre.

Ein Zufall kam dem Arzt dann schließlich zu Hilfe. Bei einer Ausflugsfahrt lernte er den Hubschrauberpiloten Franz Hartmannsberger auf dem Flugplatz Reichelsheim kennen. Mit einem Hubschrauber könnte man schnell zum Unfallort kommen, dachte sich Feder, doch die Kosten schreckten ab. 10.000 D-Mark sollte die dreiwöchige Miete für einen Hubschrauber kosten.

In diesem Moment kam Feder der Kontakt zum Verband der Lebensversicherungsunternehmen zu Hilfe. Die Auszahlung von Lebensversicherungen ist teurer als die Finanzierung besserer Rettungsmittel, so die Rechnung, und damit wurden die Mittel zur Finanzierung eines dreiwöchigen Feldversuchs mit einem Hubschrauber bewilligt.

In dieser Zeit flog Hans-Werner Feder zusammen mit seinem Piloten 52 Einsätze, und war in mehr als drei Viertel der Fälle schneller als der Krankenwagen am Unfallort. Bei einem Drittel der Fälle dauerte es bis zu 30 Minuten bis die Sanitäter eintrafen. Die Erfahrungen aus dem Modellversuch wurden dokumentiert und führten schließlich zur Einführung der regulären Luftrettung.

Fünf Jahre später, im August 1972, nahm in Frankfurt der Rettungshubschrauber „Christoph 2“ den Betrieb auf. Da hatte Hans-Werner Feder seinen beruflichen Schwerpunkt schon längst nach Kassel verlegt. „Dass aber die Ursprünge der Luftrettung in Ober-Mörlen, in der Wetterau, liegen, daran kann es keinen Zweifel geben“, stellt Landrat Joachim Arnold fest.

Besserer Rettungsdienst hat Zahl der Unfalltoten drastisch reduziert

Die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland lag im vergangenen Jahr bei rund 3.200, für sich gesehen eine hohe Zahl, die weiter reduziert werden muss. Im Vergleich zu den Zahlen der Verkehrsopfer in den 60er und 70er Jahren ist hier aber eine deutliche Verbesserung eingetreten.

Tödliche Unfälle im Straßenverkehr gab es schon vor Einführung des Autos. So starben in Deutschland im Jahre 1938 bei einem Fahrzeugbestand von drei Millionen Autos 7.354 Menschen im Straßenverkehr.

Mit der Steigerung der Kfz-Dichte stieg die Zahl der Verkehrstoten immer weiter. 1970 starben mehr als 21.000 Menschen im Straßenverkehr bei knapp 18 Millionen motorisierten Kraftfahrzeugen. Heute sind dreimal so viele Fahrzeuge auf Deutschlands Straßen unterwegs.

Mit beigetragen zur Reduzierung der Unfallzahlen haben neben den Verbesserungen im Rettungsdienst mehr Sicherheit in den Fahrzeugen, allen voran die Einführung von Sicherheitsgurt und Kopfstütze, bessere Fahrwerke sowie später dem Airbag.

 

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Der Arzt Hans Werner Feder praktizierte Ende der sechziger Jahre in Ober Mörlen. Er ist ein Pionier der Luftrettung.
(Copyright der Bilder: Sammlung Hans-Werner Feder (Archiv Werner Wolfsfellner MedizinVerlag München)

 

Quelle: Pressemitteilung Wetteraukreis

   
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