17.07.2018 – Der Online Lehrgang an der Hessischen Landesfeuerwehrschule aus der Sicht von Sina Kalbfleisch

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Sina Kalbfleisch ist Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Bad Nauheim - Steinfurth und jetzt frisch gebackene Gruppenführerin.

Steinfurth – Nachdem ich, Sina Kalbfleisch, letztes Jahr meinen Lehrgang „Truppführer“ an der Hessischen Landesfeuerwehrschule in Kassel absolviert habe, wollte ich dieses Jahr wieder einen Lehrgang oder eine Fortbildung besuchen. Nach Rücksprache mit meinem Wehrführer fiel die Wahl auf den Gruppenführerlehrgang. Da ich 2017 bereits eine Woche für den Truppführerlehrgang von meinem Arbeitgeber freigestellt wurde, entschied ich mich für den Online-Lehrgang. Ein großer Vorteil war, dass ich direkt einen Lehrgangsplatz erhielt und so bereits Mitte April starten konnte.

Der Lehrgang gliedert sich in folgende Abschnitte:
- erste Präsenzphase (ein Samstag),
- erste Onlinephase (fünfeinhalb Wochen),
- zweite Präsenzphase (zwei Tage unter der Woche),
- zweite Onlinephase (sechs Wochen) und
- dritte Präsenzphase (drei Tage unter der Woche incl. Prüfungen).

Erste Präsenzphase
Bei der Lehrgangseröffnung am ersten Präsenztag in Kassel fragten die Ausbilder nach der Motivation für den Online-Lehrgang. Als Hauptgründe kristallisierten sich die „Arbeitgeberfreundlichkeit“ und die „Familienfreundlichkeit“ durch weniger Präsenztage in Kassel heraus. Weiterhin meldeten sich einige Kameraden beim Online-Lehrgang an, da sie hierfür einen Lehrgangsplatz erhielten, für den „klassischen“ Lehrgang aber nicht.

Unser Lehrgang „Gruppenführer (e-learning)“ startete mit 28 Kameradinnen und Kameraden (geplant waren 30 Teilnehmer). Zwei Lehrkräfte und ein Referendar der HLFS informierten uns über den weiteren Ablauf. Anschließend wurde uns bei einer Planübung der Führungsvorgang nähergebracht. Weiterhin waren zwei Kollegen aus der IT vor Ort, die mit uns gemeinsam sicherstellten, dass unsere Hardware richtig eingestellt war. So konnte jeder nach diesem ersten Tag beruhigt und mit der Gewissheit nach Hause fahren, über eine funktionierende Hardware und über alle notwendigen Programme zu verfügen.

Erste Onlinephase
Hochmotiviert startete ich mit dem Lernen. Das für mich „spannende“ Thema „Rechtsgrundlagen“ nahm ich mir zuerst vor. Damit wollte ich möglichst schnell fertig werden. Danach konnten dann die interessanteren Themen folgen. Aber wie das so als Mitglied einer Freiwilligen Feuerwehr ist, ging gleich beim zweiten Lernversuch – der PC war gerade hochgefahren – der Pager los. Mit dem Gedanken „Na toll! Also dann lerne ich beim nächsten Mal; ist ja kein Problem, ich habe ja eine freie Zeiteinteilung und ich habe ja noch lange Zeit …“ verabschiedete ich mich vom Lernen in den Einsatz. Beim dritten Lernversuch stand der Plan: JETZT wird gelernt! Allerdings kam mir auch hier wieder eine Alarmierung dazwischen und es war wieder nichts mit dem Lernen. Auch wenn der Einsatz nicht lange dauerte, ich hatte danach einfach keine Lust mehr.

Ab dann lief es allerdings und ich konnte mich ohne weitere Feuerwehreinsätze, die meinen Plan zu lernen durchkreuzten, den Online-Themen widmen. Die Themen sind die gleichen wie beim Präsenzlehrgang, stehen inhaltlich allerdings detaillierter zur Verfügung. Die Möglichkeit direkte Fragen an die Lehrkräfte zu stellen fehlt und somit sind mehr Hintergrundinformationen erforderlich.

Der zeitliche Aufwand für die Online-Phasen ist mit etwa vier Stunden pro Woche angegeben. Jeder lernt natürlich unterschiedlich schnell und hat seine eigene Methode. Nichtsdestotrotz erachte ich die geschätzten vier Stunden als sehr optimistisch. Im Durchschnitt habe ich in der ersten Onlinephase viereinhalb Stunden pro Woche ausschließlich gelernt. Hinzu kamen diverse Gespräche mit Rückfragen, sowie „Besichtigungen“, um das Erkunden zu üben und das Thema „Baukunde“ an verschiedenen Objekten zu vertiefen.

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Das Lernen zu Hause erfordert eine Menge Selbstdisziplin. Der Zeitbedarf dafür darf nicht unterschätzt werden.

Auch die übrigen Lehrgangsteilnehmer bestätigten, dass der Aufwand deutlich über den vier Stunden pro Woche liegt. Dies sollte man einplanen, da man sonst (so wie ich) gegen Ende der ersten Onlinephase in Hektik verfällt, um alle Themen intensiv durchzuarbeiten, bevor man „in Kassel auf dem Hof steht“.

Nach dem ersten Präsenztag wurden wir nach geografischen Gesichtspunkten in drei Gruppen eingeteilt. In meiner Gruppe waren unter anderem Teilnehmer aus Vockenhausen, Linden, Oberursel und ich aus Steinfurth. Die Ausbilder gaben uns mit auf den Weg, dass es sinnvoll sei, wenn wir uns zur zweiten Präsenzphase schon kennen und im besten Fall schon mal zusammen geübt haben. Diese Übungszeit ist bei den vier Stunden ebenfalls nicht einkalkuliert. Dieser Zeitaufwand, insbesondere in der ersten Onlinephase, war mir in diesem Umfang nicht bewusst – hier hätte ich mir im Vorfeld eine bessere Information gewünscht.

Mit der Betreuung während der Onlinephasen durch die Ausbilder war ich zufrieden. Innerhalb von 24 Stunden sollten wir auf Fragen, die wir im Forum stellen konnten, eine Antwort erhalten. Damit sollten auch die Wochenenden und Feiertage abgedeckt sein. Dies hat zwar nicht immer funktioniert, dennoch wurden alle Fragen in vertretbarer Zeit beantwortet. Teilweise erhielten wir die Antwort innerhalb weniger Stunden.

Mittwochs um 19.00 Uhr wurde bei Bedarf ein „virtuelles Klassenzimmer“ eingerichtet, sodass wir offene Fragen nochmal mit der Gruppe und einer Lehrkraft der HLFS besprechen konnten. Bei unserem Lehrgang war dies nicht nötig. Das „virtuelle Klassenzimmer“ fand bei uns nur einmal zum Lehrgangsbeginn statt. Ein großes Dankeschön an die Lehrkräfte für die Betreuung!

Zweite Präsenzphase
Während der zweiten Präsenzphase übten wir in den bereits kommunizierten Gruppen. Jeder hatte einmal die Gelegenheit, als Gruppenführerin bzw. Gruppenführer eine Einsatzübung zu fahren und ein ausführliches Feedback zu erhalten. In Ausnahmefällen war aufgrund der Teilnehmerzahl eine zweite Übung möglich. Da in dieser Phase von den ursprünglich geplanten 30 Teilnehmern nur noch 24 anwesend waren, hatten wir etwas weniger Zeitdruck und konnten alle Fragen ausführlich klären. Ärgerlich war es dennoch, da sicher noch einige andere Feuerwehrangehörige den Lehrgang besuchen wollten und nicht die Gelegenheit dazu hatten.

Während meiner ersten Einsatzübung war es für mich sehr ungewohnt, auf einmal „auf der anderen Seite der Gruppe zu stehen“. In meiner Feuerwehr habe ich zwar schon gelegentlich mal eine Übung geleitet – eine Einsatzübung als Gruppenführerin (in meinem Fall ein Chlorgasaustritt) habe ich allerdings noch nicht geführt. Ich glaube, es ist empfehlenswert, schon einige (Einsatz-)Übungen als Gruppenführerin/Gruppenführer absolviert zu haben, um besser vorbereitet zu sein. Im Idealfall wäre das in der ersten Onlinephase, wenn der Führungsvorgang schon (theoretisch) verinnerlicht ist.

Weiterhin hat mir wirklich geholfen und etwas mehr Sicherheit und Selbstvertrauen gegeben, dass ich schon einige Teilnehmer aus der Lerngruppe kannte, die wir in der ersten Onlinephase organisiert hatten.

  S.Kalbfleisch 08a Ein Teil unserer Gruppe traf sich in Eppstein/Vockenhausen während der 2. Onlinephase zum gemeinsamen Erkunden. Dieser Termin war freiwillig und unabhängig vom Lehrgang - hat uns aber beim Lernen geholfen.

Zweite Onlinephase
Als Hausaufgabe aus der zweiten Onlinephase hat mein Ausbilder mir den Rat gegeben, möglichst oft als Gruppenführerin bei Übungen eingesetzt zu werden. „Erkunden, erkunden und nochmals erkunden“ war das Motto – zusammen mit „Planen, Befehlen, Kontrollieren und – natürlich – wieder Erkunden“; kurz zusammengefasst also: „Übe den Führungsvorgang bis zum Umfallen!“ Hierbei unterstützte mich meine Feuerwehr, sodass ich schnell an Sicherheit gewann.

In der zweiten Onlinephase hatte ich eine durchschnittliche Lernzeit von knapp drei Stunden pro Woche. Hier sind die Wiederholungen für die theoretische Prüfung schon inbegriffen, sodass ich mit dieser Zeit zum Lernen in die Prüfung gehen konnte. In der ersten Onlinephase war der zeitliche Aufwand sehr viel höher als in der zweiten. Allerdings glaube ich, wäre eine andere Aufteilung der Themen nicht sinnvoll gewesen, da die Themen der ersten Onlinephase auch für die Übungen der zweiten Präsenzphase notwendig waren.

Dritte Präsenzphase
Die dritte Präsenzphase begann mit einem Unterricht zu den Themen Baukunde, Vorbeugender Brandschutz und Brandmeldeanlagen. Danach starteten wir mit der praktischen Ausbildung. Am nächsten Tag folgte die theoretische Prüfung. Anschließend wurden die Einsatzübungen weiter durchgeführt. Nachdem jeder die Möglichkeit einer weiteren Übung, sowie einer Nachbesprechung und einem Feedbackgespräch hatte, begannen die Prüfungsübungen, die bis zum dritten Tag andauerten.

Am letzten Tag standen die Ergebnisse der beiden Prüfungen fest. Laut den Lehrkräften hat die Auswertung bisher ergeben, dass die E-Learning-Lehrgänge etwas besser abschneiden, als die „normalen“ Lehrgänge. Bleibt zu berichten, dass alle 24 Kameradinnen und Kameraden den Gruppenführerlehrgang bestanden haben.

Mein persönliches Fazit
Ich glaube, dass der Online-Gruppenführerlehrgang für alle geeignet ist, die die zehn Tage vor Ort in Kassel vermeiden möchten. Allerdings ist eine große Menge Selbstdisziplin erforderlich und auch der Zeitaufwand zu Hause ist nicht zu unterschätzen. In meinem Fall waren das 57,5 Stunden in zwölf Wochen, die sich aus Lernen, Übungen, Gesprächen und „Ortsbegehungen“ zum Üben von Erkundungen zusammensetzen. Die Tage in Kassel, Fahrzeiten und Feuerwehrdienst in der heimischen Feuerwehr sind in dieser Stundenaufzählung nicht inbegriffen. Ein Vorteil ist in jedem Fall, dass man etwaige Lücken und Fragen „in Ruhe“ aufarbeiten kann, da man mit und bei seiner eigenen Feuerwehr ausreichend Zeit hat, um nochmal etwas zu üben oder nachzufragen.

Für mich war der Lehrgang „Gruppenführer (e-learning)“ die richtige Wahl. Ich würde es wieder so machen.

Von Sina Kalbfleisch, Freiwillige Feuerwehr Bad Nauheim-Steinfurth

   
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