06.02.2026 - Wetteraukreis (pdw) - Dramatische Szenen am vergangenen Samstag auf dem Werksgelände der Exide Technologies Energy Solutions GmbH in Büdingen: Explosionen zerreißen die Stille, dichte Rauchschwaden ziehen durch die Hallen, Menschen schreien, Einsatzkräfte in Atemschutzmasken und Schutzanzügen eilen über das Gelände. Feuer breitet sich aus, Verletzte müssen versorgt werden. Doch zum Glück war all das kein Ernstfall, sondern Teil einer groß angelegten Katastrophenschutzübung des Wetteraukreises.
Als Untere Katastrophenschutzbehörde hatte der Wetteraukreis diese realitätsnahe Übung konzipiert und gemeinsam mit dem betrieblichen Krisenstab der Firma Exide organisiert. Ziel war es, die bestehende Gefahrenabwehrplanung unter möglichst realen Bedingungen zu überprüfen, Abläufe zu trainieren und mögliche Schwachstellen frühzeitig zu erkennen – um im Ernstfall bestmöglich vorbereitet zu sein.
Das angenommene Szenario: In einem Produktionsbereich der Firma Exide kommt es infolge eines technischen Defekts zum Austritt hochkonzentrierter Schwefelsäure. Ein Mitarbeiter versucht, die entstehenden Dämpfe eigenständig mit Wasser niederzuschlagen, anstatt Fachpersonal zu alarmieren. Das Einleiten von Wasser in die konzentrierte Säure führt zu einer gefährlichen chemischen Reaktion – innerhalb kürzester Zeit entsteht Wasserstoffgas in explosionsfähiger Konzentration. Es kommt zu einer Verpuffung mit Druckwelle.
Die Folge: Feuer breitet sich im Produktionsbereich aus, umstehende Personen werden verletzt. Zeitgleich befindet sich eine Besuchergruppe mit rund 20 Personen auf einer Werksführung in unmittelbarer Nähe. Mehrere Gäste werden durch die Druckwelle zu Boden geschleudert oder erleiden einen Schock.
Währenddessen verschärft sich das Brandgeschehen weiter. Die Flammen greifen auf Materialien in der Fertigung über, starke Rauchgase entstehen und breiten sich über Lüftungsanlagen und offene Tore in weitere Hallenteile aus. Mehrere Bereiche verrauchen, zusätzliche Beschäftigte geraten in Gefahr. Durch die Kombination aus Gefahrstoffaustritt, Explosion und Brand entsteht ein sogenannter Massenanfall von Verletzten (MANV). Rund 30 geschulte Verletztendarsteller, realistisch geschminkt und präpariert, sorgten für ein besonders authentisches Einsatzszenario.
Rund 250 Einsatzkräfte alarmiert
Über die Zentrale Leitstelle wurden insgesamt rund 250 Einsatzkräfte aus dem ganzen Kreisgebiet alarmiert. An der Übung beteiligt waren Einheiten und Einrichtungen aus Brand- und Katastrophenschutz sowie Rettungsdienst und Notfallseelsorge. Sie rückten realitätsnah mit Blaulicht und Martinshorn aus. Begleitet wurde das Szenario von Übungsbeobachtern, die den Ablauf dokumentierten und Entscheidungen bewerteten, um gezielt Verbesserungspotenziale zu identifizierten.
Landrat Jan Weckler machte sich vor Ort selbst ein Bild vom Übungsablauf. „Ein starker Katastrophenschutz lebt von guter Vorbereitung und eingespielten Abläufen. Solche realitätsnahen Übungen sind unverzichtbar, um im Ernstfall schnell, koordiniert und besonnen handeln zu können. Nur wenn alle Beteiligten ihre Aufgaben kennen und die Zusammenarbeit regelmäßig trainiert wird, können wir die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger im Wetteraukreis bestmöglich gewährleisten.“ Sein Dank galt allen Einsatzkräften und Beteiligten für ihr Engagement.
Auch Gert Eifert, Werksleiter Exide Technologies in Büdingen, zog ein positives Fazit: „Wir danken allen beteiligten Kräften für die gelungene Katastrophenschutzübung. Es ist wichtig, dass wir in unserer Region auf eine so gut organisierte und engagierte Katastrophenschutzeinheit vertrauen können. Wir freuen uns, dass wir unser Werksgelände für diese wichtige Übung zur Verfügung stellen konnten. Prävention und regelmäßiges Training sind essenziell, um im Ernstfall schnell und effektiv geschützt zu sein. Vielen Dank an das Team der Unteren Katastrophenschutzbehörde für die hervorragende Vorbereitung und den reibungslosen Ablauf.“

Bei der Übung vor Ort (von links): Kreisbrandinspektor Lars Henrich, Landrat Jan Weckler, Exide-Werksleiter Gert Eifert und Jürgen Nickel, Fachdienstleiter Gesundheit und Gefahrenabwehr beim Wetteraukreis.

Rund 250 Einsatzkräfte aus Brand- und Katastrophenschutz sowie Rettungsdienst und Notfallseelsorge waren auf dem Werksgelände im Einsatz.

Die Einsatzkräfte mussten rund 30 „Verletzte“ aus teils stark verrauchten Gebäuden befreien.

Einsatzfahrzeuge aus dem ganzen Kreisgebiet fuhren mit Sondersignal – also Blaulicht und Martinshorn – nach Büdingen.
Text und Bilder: Pressestelle des Wetteraukreises, Deliah Werkmeister (Kreispressesprecherin)